Meinung: Wie wichtig ist die Akkulaufzeit einer Smartwatch?

veröffentlicht am 22. Januar 2016 in News und Updates, Specials von
Meinung: Wie wichtig ist die Akkulaufzeit einer Smartwatch?

Die Akkulaufzeit einer Smartwatch zählt laut aktuellen Studien zu den wichtigsten Kaufentscheidungskriterien. Warum bloß?

Es ist schon verrückt: Ich habe keine Studie über Smartwatches in den letzten sechs Monaten gelesen, in der nicht das wichtigste Entscheidungskriterium für den Kauf einer Smartwatch die Akkulaufzeit war. Was ist mit Design? Was ist mit dem technischen Umfang? Was ist mit dem Preis?

Ich frage mich ernsthaft, warum die meisten Smartwatch-Interessenten ihren Kauf so sehr von der Akkulaufzeit abhängig machen. Einerseits ist beim Smartphone-Kauf die Laufzeit eines der unwichtigsten Entscheidungskriterien, weil man das Gerät sowieso jeden Abend auflädt. Diese Denkweise gilt scheinbar nicht bei Smartwatches. Ich bezweifle, dass es viele User gibt, die ihre vollwertige Smartwatch auch nachts tragen. Wahrscheinlich wird das etwa dem Prozentsatz entsprechen, der seine konventionelle Uhr auch nachts trägt. Moderne Smartwatches werden mit ansprechend designten Lade-Docks ausgeliefert (ok, das schreckliche Plüsch-Dock der Fossil Q Founder mal ausgenommen), sodass es doch ein Leichtes sein sollte, die Smartwatch im gleichen Handgriff mit dem Smartphone abends zu laden.




Andererseits ist es mir schleierhaft, wie man das Objekt “Smartwatch” überhaupt mit einer herkömmlichen Armbanduhr vergleichen kann. Scheinbar passiert das, denn sonst gäbe es nicht den Wunsch nach Akkulaufzeiten von Wochen oder gar Monaten.

Meinung Akku

 

Ich bin selbst ein riesiger Fan von konventionellen Armbanduhren. Mein feuchter Traum ist die Omega Speedmaster in Schwarz mit dunkelbraunem Lederarmband (sabber). Natürlich bin ich mir darüber bewusst, dass in diesem Chronograph eine Unruh schwingt, die die Uhr allein durch meine Körperbewegung antreibt und darüber hinaus eine beachtliche Laufreserve aufweisen kann. Ich liebe diese analoge Technik und finde es einfach faszinierend, wie man so eine Technik in diesem winzigen Maßstab entwickeln und bauen kann. Aber würde mich jemand fragen, warum ich diese eine Uhr so geil finde, wäre meine erste Antwort nicht: “Weil die ein mechanisches Laufwerk hat und ich die Batterie nie laden oder tauschen muss”.

Natürlich habe ich das im Hinterkopf, aber eine teure Luxusuhr kaufe ich, weil mir das Design außerordentlich gut gefällt. Das Farbspiel des Ziffernblattes mit den Zeigern und der Lünette, die filigrane Verarbeitung, die Kronen – es kommt auf das ästhetische Gesamtbild an. Klar, dass das Omega oder Breitling oder Rolex drauf steht, turnt schon zusätzlich an. Und ja, dass ich die Unruh leise schwingen hören kann, wenn ich die Uhr nah an mein Ohr halte, ist auch ziemlich befriedigend.

 

Meinung Akku

 

Aber all diese Kriterien müssen im Smartwatch-Kosmos neu gedacht werden. Eine Smartwatch ist in erster Linie ein technisches Gadget, auch wenn es unter dem Titan-Gehäuse einer Tag Heuer Connected oder dem Chirurgen-Edelstahl einer Huawei Watch steckt. Mechanik und Elektronik sind zwei völlig unterschiedliche Planeten, nein Galaxien, die man durch kein Wurmloch erreichen kann.

Hinzu kommt, dass eine Smartwatch viel häufiger und aktiver bedient wird als eine konventionelle Armbanduhr. Sie empfängt Nachrichten, wir sprechen mit ihr, laden energieintensive Watchfaces darauf und nutzen sie als Fitness-Tracker. Darüber hinaus soll der verwendete Akku eine lange Lebensdauer haben und schnell ladbar sein. Die meisten Smartwatches lassen sich mittlerweile innerhalb von 30 Minuten zur Hälfte aufladen. Wem fehlt denn diese Zeit? Mir fallen zahlreiche Situationen ein, in denen die Smartwatch 30 Minuten in ihrer Ladeschale liegen könnte. Zum Beispiel beim Duschen, da die meisten Smartwatches sowieso nicht vollständig wasserdicht sind.

Jeder, der täglich eine längere Strecke mit dem Auto zurücklegt, kauft sich ein KFZ-Ladekabel für das Smartphone. Nun kommen die ersten Spielverderber und werfen ein, dass die meisten Smartwatches ja nicht so einfach über USB geladen werden können. Das ist generell richtig. Dennoch gibt es für ein paar Euro für jede Ladeschale eine Alternative. Zum Beispiel in Form eines USB-Kabels mit Magnetpins. Also rein damit in den Zigarettenanzünder und die Smartwatch ist bis zur Ankunft aufgeladen.

Bitte versteht mich nicht falsch, auch ich habe ein Auge auf die Akkulaufzeit einer Smartwatch, wenn ich sie für smartwatch-im-praxistest.de auf Herz und Nieren teste. Nur weil ich dafür plädiere, das Thema Akkulaufzeit bei Smartwatches generell nicht so eng zu sehen, bedeutet das nicht, dass es keine Vergleichsgröße in einem Praxistest wäre. Es ist selbstverständlich, dass die Pebble Time Steel mit 7 Tagen Akkulaufzeit eine Menge positive Beachtung bekommt, wenn man eine Fossil Q Founder mit knapp unter 24 Stunden Laufzeit dagegen stellt. Trotzdem ist nicht immer alles so klar und eindeutig, wie es scheint. Bei einer differenzierteren Betrachtung fällt auf, dass Pebble das gesamte Betriebssystem auf den Faktor Akkulaufzeit ausgerichtet hat. Darüber hinaus fehlen einige Sensoren (z.B. Pulsmesser) und ein hochauflösendes Touch-Display. Deshalb ist es oft unfair, Smartwatches mit einander zu vergleichen und auf Basis der Akkulaufzeit-Angabe eine Kaufentscheidung zu treffen.

 

Motorola Moto 360 2

 

Es dürfte klar sein, dass ich mir selbst auch die eierlegende Wollmilchsau wünsche. Eine Smartwatch mit 14 Tagen Laufzeit, AMOLED-Display, ausgereifter Sensorik, einem weiterentwickelten android wear Betriebssystem und einem ansprechenden Design zu einem akzeptablen Preis. Jeder möchte das. Aber diejenigen, die aktuell eine Branche für ihre fehlende Weiterentwicklung (gerade im Bereich der Akkulaufzeiten) kritisieren, die noch in den Kinderschuhen steckt und seit dem Release der Apple Watch im April 2015 erst ein bisschen mehr Aufmerksamkeit bekommen hat, überschätzt sowohl die Möglichkeiten der Hersteller als auch die technischen Möglichkeiten im Allgemeinen.

Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis deutlich leistungsfähigere Akkus die Smartwatch-Welt erobern. Momentan müssen wir einfach mit ca. 400 mAh in einem 13 mm dicken Gehäuse leben, wenn wir die Annehmlichkeiten von Smartwatches genießen wollen. Ich kann dem geneigten Leser daher nur raten, das Thema Akkulaufzeit nicht zum Hauptentscheidungsmerkmal beim Kauf einer Smartwatch zu machen. Vielmehr kommt es auf ein ansprechendes Design an, auf eine intelligente Uhr, die Persönlichkeit hat und zu einem passt und mit aktueller Technik und Software ausgestattet ist. Achja, einen vertretbaren Preis sollte sie auch haben (sorry Huawei, sorry Tag Heuer, sorry Apple). Wer sich nach diesen Kriterien entscheidet, wird schnell darüber hinweg kommen, dass die Smartwatch jeden Abend auf ihrem Ladekissen schlummert um Energie zu tanken.

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Gründer und Chefredakteur bei smartwatch-im-praxistest.de
Florian Müller ist Gründer und Chefredakteur von smartwatch-im-praxistest.de. Seit mehr als 10 Jahren ist er als Journalist, Blogger und Experte im Bereich Marketing und SEO tätig. Seine journalistische Laufbahn begann bei einem großen Online-Musikmagazin. Schnell wurde sein selbstgeschriebener Blog zum Publikumsliebling. In den folgenden Jahren gründete er mehrere Websites im Bereich Film-, Buch-, Musik- und Technik-Reviews und leitete die Online-Magazine als Chefredakteur. Als Gadget-Geek träumt er auch noch nachts von elektronischen Alltagshelfern und technischen Spielereien.
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